Gewachsene Nächstenliebe

150 Jahre Immanuel Diakonie Südthüringen

Was vor 150 Jahren als private, aus christlicher Nächstenliebe gespeiste Fürsorge für hilf- und mittellose Kinder begann, ist seither zu einem diakonischen Werk gewachsen, das vielen Menschen in einer herausfordernden Lebenssituation Unterstützung und Begleitung bietet. Die Immanuel Diakonie Südthüringen feiert in diesem Jahr ein rundes Jubiläum.

Am 27. Mai 1873 gründete Johannes Saal, ein Schneidermeister aus der Region, der sich der Fürsorge hilfloser Kinder widmete, nahe Meiningen das Mathildenstift als private Pflegeeinrichtung. Diese Einrichtung war eine Erweiterung des seit 1860 bestehenden Rettungshauses zum Fischhaus, welches verwahrloste und verwaiste Jungen aufnahm. 1868 wurde neben dem Rettungshaus das Neue Haus gebaut, in dem Mädchen unterkamen. Dieses Haus kaufte Johannes Saal 1873, um hier die von ihm und seiner Frau Mathilde aufgenommenen Pflegekinder zu betreuen.

Bald reichte der Platz im Mathildenstift nicht mehr aus, um alle Aufnahmegesuche zu erfüllen. Nach dem Kauf zweier alter Fabrikgebäude in der Aue bei Schmalkalden zog das Ehepaar Saal im Herbst 1883 zusammen mit 14 Pflegekindern um.

Dr. Emil Dönges, langjähriger Treuhänder
 

Noch zu Lebzeiten übertrug Johannes Saal einem Freund der Familie, Dr. Emil Dönges, die Treuhänderschaft über das Mathildenstift. Dönges selbst übergab sie 1920 an den neu gegründeten Verein Friede Euch!Die Einrichtung bot damals Platz für 70 männliche und 64 weibliche sogenannte Pfleglinge. Viele von ihnen arbeiteten in Küche, Wäscherei oder anderweitig mit, um die auf dem Gelände lebenden Menschen zu versorgen.

Blick über das 1930 erworbene 42 Hektar große Bauerngut Röthof (Aufnahme etwa 1980)

Der 1930 erfolgte Ankauf des Röthofs, eines nahegelegenen Bauernguts, verschaffte mehr Platz und zugleich landwirtschaftliche Nutzfläche. Es gab nun Milch, Eier, Gemüse und Fleisch aus eigener Produktion.

In der Zeit des Nationalsozialismus konnte die christliche Pflegeanstaltnach dem Verbot des Trägervereins, einer Beschlagnahme der Liegenschaften, wegen hoher Abgabepflichten des Röthofs während des Krieges und großer Personalnot nur unter widrigsten Bedingungen weiterbestehen. Mindestens 92 der betreuten Menschen wurden infolge der NS-Gesetze zur Verhütung erbkranken Nachwuchses zwangssterilisiert. Vor dem mörderischen Rassenwahn der Nationalsozialisten konnten die Mitarbeitenden die Bewohnerinnen und Bewohner nicht schützen.

Eine Bewohnerin wurde über verschiedene Stationen in die Tötungsanstalt Hadamar verbracht und 1941 ermordet. Zwei Frauen wurden im September 1942 mit einem sogenannten Judentransport abtransportiert und später ermordet. Im selben Jahr fiel ein jüdischer Bewohner dem NS-Massenmord zum Opfer.

Das Ende des Hitlerregimes verbesserte die Bedingungen, doch blieb – wie überall – große materielle Not. Mit der Teilung Deutschlands ging die Christliche Pflegeanstalt Schmalkalden 1949 in die Eigentümerschaft des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden in der DDR über und bildete dort das größte diakonische Werk. Auch in dieser Zeit gab es einen materiell wie personell sehr eng gesteckten Rahmen. Die Wohnverhältnisse blieben trotz Erweiterung um das Haupthaus unzureichend, die Pflegesätze anfangs viel zu niedrig. die Instandhaltung der Gebäude litt unter der Mangelwirtschaft. Auch blieb es schwierig, Mitarbeitende zu gewinnen.

Im Speisesaal wurde über Jahrzehnte hinweg gemeinsam gegessen.
 

Nach 1990 konnten die Christlichen Wohnstätten Schmalkalden, abgekürzt CWS, in neuer Rechtsform die notwendigen Baumaßnahmen voranbringen. 1998 entstand ein Wohnheim mit 72 Plätzen, das heutige Immanuel Lebenszentrum am Eichenrain. Die Suchtkrankenhilfe kam als neues Angebot hinzu – mit Beratungsstellen, einer Tagesstätte, dem Betreuten Wohnen und Wohnheimen in Schmalkalden wie im Wartburgkreis.

Bis zur Einweihung der Bethel Kapelle wurden Gottesdienste in einem „Baracke“ genannten, unbeheizten Holzbau gefeiert.

2004 wurde die wirtschaftlich in Schieflage geratene CWS Teil der damaligen Immanuel Diakonie. Das im selben Jahr als Senioreneinrichtung eröffnete Immanuel Haus Mose und die Übernahme vom Haus Bethanien im hessischen Hünfeld im Jahr 2012 ergänzten das diakonische Angebot um die Altenpflege. Als neue Aufgabe, die sich gesellschaftlichen Herausforderungen stellt, kamen 2016 Hilfen für nach Deutschland geflüchtete Menschen hinzu. Im selben Jahr wurde aus der CWS die Immanuel Diakonie Südthüringen.

Seit 2019 ist die Immanuel Diakonie Südthüringen wieder nach Meiningen „zurückgekehrt“ – zunächst mit der ambulanten Pflege, zwei betreuten Wohngemeinschaften und 2022 mit der Suchtberatung.

 
 
 
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